Xifan Yang, freie Journalistin:

“Ich bin mir nicht sicher, ob ich derzeit den Weg in diesen Beruf empfehlen würde.”

Was ist guter Journalismus?
Nicht auf jeder Erregungswelle mitschwimmen. Vor Ort sein statt Schreibtischrecherche. Texte, die mit Erwartungen brechen und den Horizont erweitern. Redaktionen, die sich eine Dokumentation leisten.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Ohne das Internet, vor allem aber ohne VPN, wäre ich in China aufgeschmissen, da ich sonst keinen Zugang zu unzensierten Informationen hätte.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Ich schließe mich einer meiner Vorrednerinnen an: Ich bin mir nicht sicher, ob ich derzeit den Weg in diesen Beruf empfehlen würde.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Notizen gleich am Abend sortieren.

Nie einen Kontakt aus dem Handy löschen.

Wenn der Interviewpartner zumacht: Lächeln.

Wie geht’s weiter?
Das wüsste ich auch gerne. Ich glaube an das Format Longform und hoffe, dass es in Deutschland eine Chance bekommt.

Xifan Yang, freie Journalistin für zahlreiche Medien in Shanghai

Dieter Kassel, Deutschlandradio Kultur:

Wer “Radio machen” wirklich geil findet, der kommt am Ende auch ins Radio, und der Weg dahin ist ziemlich egal.

Was ist guter Journalismus?
Er muss die richtigen Fragen stellen, geduldig nach begründeten Antworten suchen und dann versuchen, auch die umfangreichsten und widersprüchlichsten Recherche-Ergebnisse möglichst verständlich darzulegen. Egal in welchem Medium. Sehr wichtig dabei: Man darf sich nicht zuerst die Antworten überlegen, und dann Belege dafür suchen, dass diese richtig sind. Klingt ohnehin sehr unlogisch, wird aber häufig so gemacht. Den wenigsten Menschen und auch nur sehr wenigen Journalisten gefällt es, etwas herauszufinden, was ihre persönliche Weltanschauung erschüttert. Ich übrigens finde genau das besonders interessant.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Ja, das ist es unbedingt. Ich kann mich noch an Zeiten vor dem weltweiten Netz erinnern. Da musste man für jede kleine Auskunft ein Telefongespräch führen, verbrachte bei längeren Recherchen ganze Tage in Bibliotheken. Heute hat man unendlich viele Informationen per Smartphone jederzeit parat. Das ist sehr gut, und ich verstehe Menschen nicht, die finden, das Internet habe gerade für Journalisten die Welt zu einer schlechteren gemacht. Das ist Unfug. Jedoch: Das Internet bietet uns unendlich viele Informationen über die Welt, es ist aber nicht die Welt. Leider gibt es inzwischen Kollegen, die davon überzeugt sind, eine Recherche sei vollständig, auch wenn sei nur im Internet stattfand. Das ist sie aber dann nicht. Im Internet sind Nummern zu finden, die wir anrufen sollten, und Orte, an die wir uns begeben sollten. Das müssen wir dann aber trotz www noch machen.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Neulich habe ich festgestellt, dass so gut wie alle Kollegen, die ich beruflich wirklich schätze, genau so ins Radio gekommen sind wie ich. Alle saßen sie irgendwann – vom Alter her so etwa zwischen dem zwölften und dem 16. Lebensjahr – irgendwo in Deutschland vor dem Radio, hörten einen ortsüblichen Sender und sagten sich: Das will ich auch machen! Was zwischen diesem Moment und dem ersten bezahlten Betreten eines Funkhauses passiert ist, das war bei allen ziemlich unterschiedlich, und genau das zeigt: Wer “Radio machen” wirklich geil findet, der kommt am Ende auch ins Radio, und der Weg dahin ist ziemlich egal. Wer aber Überlegungen anstellt wie “Was soll ich studieren, werd’ ich lieber Bankkaufmann, Mathematiklehrer oder Journalist”, der ist in unserem Beruf falsch. Das gilt natürlich nicht nur fürs Radio, sondern auch für Zeitung, Fernsehen und Internet.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Wenn man wissen möchte, ob man etwas wirklich verstanden hat, gibt es einen einfachen Trick: Wirf all Deine Zettel weg, schalte alle Bildschirme ab, und versuche dann, diesen Sachverhalt komplett in eigenen Worten wiederzugeben. Wenn man sich als Moderator daran hält, hat das noch einen weiteren Vorteil: Man entwickelt automatisch einen eigenen Stil und vermeidet die Gefahr, dass gute Vorbereitung – die unbedingt notwendig ist – dazu führt, dass man nicht mehr moderiert, sondern abliest. Das geht alles auf die Hinweise eines Mannes zurück, der oft mein Chef vom Dienst war während meines Volontariats. Das ist Epochen her, aber es ist immer noch wahr.

Wie geht’s weiter?
Dahinter steckt doch die große Frage, wie sich die Medien entwickeln werden, ob es außer dem Internet überhaupt noch etwas geben wird und wie man im Internet mit vernünftigen Angeboten Geld verdienen kann. Nun, die Antwort ist ganz einfach: Ob man Radio über Langwelle, UKW, DAB oder eben im Internet hört ist grundsätzlich für die Inhalte egal. Das gilt für das Fernsehen und die Zeitungen genau so. Auch in Zukunft werden die Erfolg haben, die das anbieten, was viele Leute haben wollen. Das ist aber nichts Neues, auch der Erfolg von Printmedien wie der FAZ oder dem Spiegel beruht schon seit Jahrzehnten auf dieser Regel. Nur haben gerade Verlagshäuser am Anfang des Internets den großen Fehler gemacht, das Netz nicht ernst zu nehmen und ihre Inhalte dort deshalb kostenlos anzubieten. Das lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Ich glaube nicht an Bezahlmodelle für Nachrichtenangebote im Internet. Die müssen sich durch Werbung finanzieren, was aber – siehe Spiegel Online – prinzipiell möglich ist. Ansonsten gilt die Regel: Wer etwas bietet, was woanders wirklich nicht umsonst zu haben ist, der wird auch Geld dafür nehmen können. Was mein Medium, das Radio angeht: Reine Musiksender werden immer mehr Probleme bekommen. Sie werden durch Streaming-Angebote, die zu 100 % auf den einzelnen Nutzer zugeschnitten sind, bald überflüssig. Dadurch wird sich die Rundfunklandschaft stark verändern. Zwei Modelle aber haben Zukunft: Radioprogramme, die stark aufs Wort setzen, und ihre Wortbeiträge auch als Audio-On-Demand gut aufbereitet anbieten. Und Radioprogramme, die Musik nicht einfach nur abdudeln, sondern sie von Musikliebhabern auswählen und präsentieren lassen. Denn wer Musik wirklich gerne hat, der will auch ständig neue kennenlernen. Das geht mit radioähnlichen Streaming-Angeboten aber nicht. Noch nicht…

dieterkassel

Dieter Kassel, Deutschlandradio Kultur

Thomas Walde, ZDF:

“heiterweiter”

Was ist guter Journalismus?
Die richtige Mischung aus Haltung und Handwerk. Aufklärerisch. Unvoreingenommen. Hartnäckig.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Rechercheinstrument. Zugang zu Quellen. Gucken, was die anderen machen.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Fundierte Ausbildung in relevantem Fach + frühzeitige praktische Erfahrung + Illusionslosigkeit

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Ball flach und Anspruch hoch halten.

Wie geht’s weiter?
heiterweiter


Thomas Walde, ZDF-Hauptstadtstudio (Foto: ZDF)

Vera Schroeder, SZ:

‘”Du sollst nicht langweilen” ist für vieles schon ein sehr guter, auch ein sehr anspruchsvoller Rat.’

Was ist guter Journalismus?
Unabhängiger Journalismus, in ganz vielen Weisen, vor allem aber auch in dem Sinne, dass der Autor selbst denken muss. Klingt banal, ist es überhaupt nicht.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Komische Frage. Ist ein Werkzeug, dass man für den Beruf heute genauso braucht wie einen Stift oder seinen Mund oder einen Bürostuhl. Darüber hinaus ist es ein neuer Vertriebsweg, der in alle möglichen Richtungen funktioniert und der ganz neu und anders bespielt werden kann. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Man muss irgendwie herausfinden, ob man den Eigenantrieb, von dem dieser Beruf (zumindest in seiner oft idealisierten Ausführung) so stark abhängt, langfristig gerne und immer wieder herstellen kann. Also Praktika und ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Billy Wilders “Du sollst nicht langweilen” ist für vieles schon ein sehr guter, auch ein sehr anspruchsvoller Rat.

Wie geht’s weiter?
Mit unserem Beruf? Spannend wird’s! Ich mag es ja, dass wir gerade gezwungen sind, wahrscheinlich so ziemlich alles, was wir seit Jahrzehnten machen, einmal umzudrehen und neu zu denken. Und dann zu gucken, wo man wieder rauskommt.


Vera Schroeder, Süddeutsche Zeitung

Florian Zinnecker, Nordbayerischer Kurier:

“Jeder braucht jemanden, der ihm die Tür öffnet.”

Was ist guter Journalismus?
Ganz pauschal und subjektiv: jede Geschichte, die es schafft, mich als Leser wenigstens ein bisschen zu überrumpeln. Natürlich ist das nicht das einzige Kriterium, aber es ist nicht zu unterschätzen. Was genau mich überrascht, ist zweitrangig; das kann auch die Gründlichkeit und Ausdauer der Autoren sein, ihre Hellsichtigkeit, der Ton der Geschichte, eine neue Perspektive oder ein unerwarteter Zusammenhang. Das ist natürlich banal, denn es bedeutet nur, dass guter Journalismus etwas wirklich Neues ans Licht bringen muss. Es gibt aber gar nicht so viele Geschichten, die das schaffen.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
This is water.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Der führt über gute Kollegen. Jeder braucht jemanden, der ihm die Tür öffnet. Indem er ihn ermutigt, inspiriert, fördert, kritisiert, bezahlt, vielleicht auch einstellt – und sich vielleicht sogar in die Karten schauen lässt. Jeder hat(te) so einen, mindestens einen. Wer sagt, er hat keinen, hat’s nicht bemerkt.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Egal, wie überzeugt ich von dem bin, was ich tue, mindestens zehn Prozent Zweifel müssen bleiben: ob das gut ist und ob es ausreicht, ob es wirklich so wichtig ist oder totaler Schmarrn. Ich glaube, diesen Zweifelrest brauche ich, um dagegen anarbeiten zu können. Sonst kann ich mich nicht begeistern.

Wie geht’s weiter?
Vielleicht ganz anders als wir jetzt glauben. Ich gehe eher nicht davon aus, dass wir das in einer Podiumsdiskussion herausfinden.

Zinnecker
Florian Zinnecker, Nordbayerischer Kurier

Marc Winkelmann, enorm-Magazin:

“Niemand weiß derzeit, wie’s geht. Deshalb müssen viel mehr Leute viel mehr ausprobieren.”

Was ist guter Journalismus?
Ein Journalismus, der wieder mehr Demut zeigt. Der nicht glaubt, auf alles gleich eine Antwort zu haben, der neugierig bleibt und lernen will und deshalb bereit ist, sich auch auf seine Leser, Hörer, Zuschauer einzulassen. Das passiert noch zu selten.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Das Internet hilft mir dabei, meine Arbeit zu spiegeln und Leute zu finden, die mehr wissen als ich oder klügere Gedanken haben. Die suche ich.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Wenn man alles andere wie z.B. ein bisschen Talent bereits mitbringt: Dann sollte man mehr denn je den Mut zum (öffentlichen) Scheitern haben. Niemand weiß derzeit, wie’s geht. Deshalb müssen viel mehr Leute viel mehr ausprobieren.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Es ist am ehesten ein Versuch. Nämlich der, nach jeder Heft-Produktion Abstand zu zu gewinnen und zu fragen: Interessiert das irgendjemanden außerhalb meiner Filterblase? Erreiche ich damit – in meinem Fall – Leser, die von dem Thema vorher noch nicht überzeugt waren? Das macht Journalismus für mich auch aus.

Wie geht’s weiter?
Ganz ehrlich: keine Ahnung. Aber es wird weitergehen. Und darauf freue ich mich.

Marc Winkelmann
Marc Winkelmann, Chefredakteur enorm-Magazin

Khue Pham, Die Zeit:

“Momentan bin ich nicht sicher, ob der Weg in diesen Beruf gut ist.”

Was ist guter Journalismus?
Ein Handwerk, das die Porträtierten fair behandelt. Eine Mission, die Klischees der Wirklichkeit zu brechen. Und eine stolze Tradition, die sich im Printbereich gerade zu einer vom Aussterben bedrohten Kunst zu entwickeln scheint.

(Wie) ist Ihnen das Internet dabei eine Hilfe?
Ohne Internet wäre ich allgemein ziemlich aufgeschmissen, natürlich nutze ich es auch für meine Arbeit. Besonders beim Prokrastinieren hat es sich oft als sehr hilfreich erwiesen.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Momentan bin ich nicht sicher, ob der Weg in diesen Beruf gut ist.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Ich bin eine professionelle Geschichtenerzählerin, deswegen darf ich mein Gegenüber alles fragen, was ich will. Falls die Frage zu weit geht, wird er/sie es mich schon wissen lassen. (Kann zu unangenehmen Situationen führen.)

Wie geht’s weiter?
Wär schön, wenn unsere Branche wieder mehr über diese verrückte Welt und weniger über Spiegel-Chefredakteure reden würde.

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Khue Pham, Die Zeit

Peter Kloeppel, RTL:

“Die journalistische Herausforderung beginnt jeden Tag aufs Neue.”

Was ist guter Journalismus?
Journalismus ist dann gut, wenn Journalisten ihr Handwerk verstehen – also neugierig sind, sich bei der Recherche und in Interviews nicht mit der erstbesten Antwort zufrieden geben, ihre Adressaten ernstnehmen, wenn sie verständlich, interessant und fesselnd schreiben, und wenn sie ein Gespür für Themen haben, die die Menschen interessieren und sie schlauer machen.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Das Internet erleichtert und beschleunigt die Recherche – aber man darf nie vergessen, dass man es fast immer mit Sekundär- oder Tertiärquellen zu tun hat. Das Telefon, kontinuierlich gepflegte Kontakte, eine gut sortierte Handbibliothek und eigenes Fachwissen sind unersetzlich.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Ein eher “fachfremdes” Studium und dann Journalistenschule oder Volontariat. Und je früher man beginnt die Welt kennenzulernen, desto leichter fällt einem beides.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Jede Geschichte, und sei sie noch so klein, verdient die gleiche Aufmerksamkeit. Jeder Mensch, mit dem man es zu tun bekommt, verdient es ernst genommen zu werden. Und jede Information verdient es, überprüft zu werden.

Wie geht’s weiter?
Nachrichten haben nie Feierabend, die journalistische Herausforderung beginnt jeden Tag aufs Neue.

kloeppel
Peter Kloeppel, RTL

Nataly Bleuel, freie Journalistin:

“Vor dem Schreiben noch mal denken.”

Was ist guter Journalismus?
In gutem Journalismus stecken, auch wenn das keiner so buchstabiert: Recherche, Ideen, Haltung, Neugier, Empathie, Offenheit, Intelligenz, Bildung, Witz, kleine Information und große Geschichten und Gefühle und manchmal sogar Liebe. Leider immer weniger Z und H, Z wie Zeit und H wie Honorierung. Also viel zu wenig W wie Wertschätzung.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Aber hallo!, für die sofortige Beschaffung von Informationen. Gerade eben: Was ist BSL4? Manchmal stelle ich mir vor, wie es ohne wäre, und war. Die Berge von Telefonbüchern. Zig zähe Telefonate. Die Stabi. Der Taxifahrer. Und dann bist du immer noch nicht sicher.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Bei mir war es der allererste Auftrag im Praktikum: „Geh mal auf den Markt und schau, was da so los ist!“ Dann die Anziehungskraft eines Menschen in Form eines Redakteurs. Und die Journalistenschule. Also: Begeisterungsfähigkeit, Leidenschaft und Handwerk. Aber auch elf Praktika.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Viel zu viele Routinen und Regeln und deshalb ungern auch noch Ratschläge, schon gar nicht in Marmor graviert. Manchmal denke ich an Herbert Riehl-Heyse, der empfahl: Vor dem Schreiben noch mal zu denken. Also darüber nachzudenken, wie ein Text aufgebaut sein könnte, was man wie darin sagen will und wozu. Zu wem – ist für mich auch wichtig.

Wie geht’s weiter?
Weiter machen. Schreiben. Mein Bestes geben. Nicht zu viel drüber Nachdenken, am besten eher wenig und die Alpträume am Morgen verdrängen, weiter machen. Kein Harakiri, meinen Beruf nicht aufgeben und abschreiben wie die ganze Branche es mit sich selbst macht, mutig sein und trotzig und optimistischer tun als ich bin, weiter machen. Nach mir die Sintflut. Aber auch meine Kinder – die ich mit Wissbegier, Haltung und Leidenschaft anzustecken versuche. Dann werden sie Werkzeuge finden, um die Welt zu verstehen und zu beschreiben. Und weiter machen.

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Nataly Bleuel
, freie Journalistin

Martin Knobbe, stern:

“Akzeptiere, dass du nie ganz zufrieden bist.”

Was ist guter Journalismus?

Guter Journalismus erzählt mir Neues. Er überrascht. Er löst Gefühle bei mir aus. Mindestens eines muss sein, idealerweise stimmen alle drei.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?

Ich sauge aus dem Internet: Ideen, Quellen, Kontakte. Ich puste ins Internet: meine Fragen, meine Entdeckungen, meine Geschichten (zumindest Teile davon).
Die Protagonisten meiner Artikel versuche ich trotzdem immer leibhaftig zu treffen – um sie zu sehen, zu hören, zu riechen und zu berühren. Die Protagonisten sind das wichtigste in meinen Geschichten.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Den besten gibt es nicht. Ich habe mit einer Reportage über ein Dackelrennen begonnen und habe sehr lange, sehr viele Lokalartikel geschrieben. Dabei habe ich am meisten gelernt. Ich glaube, das könnte heute immer noch funktionieren.
Auf der Journalistenschule genoss ich den Luxus, mich zweckfrei mit meinen Geschichten auseinandersetzen zu können. In dieser Zeit bin ich sicher geworden in meiner Arbeit.
Ich kenne viele, die sind auf ganz anderem Weg gute Journalisten geworden.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?

Akzeptiere, dass du nie ganz zufrieden bist.

Wie geht’s weiter?

Ich werde weiter Geschichten erzählen, die ich spannend finde. Ich werde mich zwingen, dafür neue Formen auszuprobieren, um nicht in Routinen zurückzufallen.
Ich kann nicht sagen, ob diese Geschichten in fünf Jahren noch jemand hören/lesen/sehen will. Ich glaube aber schon.


Martin Knobbe, US-Korrespondent Stern