Marcus von Jordan, torial:

“Journalismus wird so sein wie das Netz: horizontal, durchgängig, flexibel, transparent und überall. Und das bedeutet auch, dass er kooperativ sein wird.”

Seit drei Jahren springe ich wie ein schusseliger Professor mit meinem Fangnetz durch die Biotope des deutschen Journalismus und fange seltene und gewöhnliche Exemplare von Journalisten. Dann starre ich durch mein Mikroskop auf ihre Zusammensetzung. Mit einem besonderen Interesse für ihren Verdauungsapparat, denn man will ja wissen, wie sie sich ernähren.

Ihre Fortpflanzung interessiert mich weniger, die scheint einstweilen zu funktionieren. Immer noch wollen viele junge Menschen Journalisten werden. Trotz Krise und vor allem trotz Anbetung der Krise scheint der Beruf nichts von seiner Anziehungskraft verloren zu haben. Die untersuchten Aufzuchtstationen (DJS, Axel Springer Akademie, Macromedia u.v.m.) sind voll von schillernden, lebhaften Exemplaren, denen viele der Neuerungen selbstverständlich sind und die dementsprechend ganz unbeschwert losflattern.

Auch sehr interessant: Schwarmverhalten (Freischreiber, DJV und Weltreporter), Wanderrouten und ökologische Nischen (v. a. die sogenannten Blogs), Rudelbildung (Krautreporter) und sehr interessante Einzelexemplare – Alphatierchen (Hallo, Dirk, Alex, Richard!) und Königinnen (Hallo, Caro! Hallo, Kixka!).

Schon vor Beginn des Forschungsprogramms war klar, dass sich der Lebensraum dieser Spezies spektakulär verändert hat und sich immer weiter verändert. In der Studie hat sich gezeigt, dass bei Weitem nicht alle Veränderungen nachteilig sind. Aber sie sind extrem umfassend und schnell und der Selektionsdruck ist von daher enorm hoch. Damit wird die Mutationsfähigkeit zur zentralen Größe. Das gilt gleichermaßen für Individuen und soziale Zusammenschlüsse.

Interessanterweise wird eine lineare Forschung immer wieder gestört durch die öffentlich-rechtliche Biosphäre. Wenn auch die Diversität in dieser Sphäre häufig erfreulich ist und unabhängig davon, dass ihre Existenz notwendig sein mag, so ist doch offensichtlich, dass die Abschirmung gegen die schädlichen Umwelteinflüsse und die unnatürliche Fütterung insofern Degenerationsprozesse fördern, dass es zur aktiven Verweigerung offensichtlich notwendiger Mutation kommt. Besonders in einer derart umfangreichen Metamorphose ist es schwierig, ein wissenschaftliches Spektrum richtig zu beurteilen, in dem so völlig verschiedene Grundvoraussetzungen gelten.

Jetzt mal im Ernst!

Geforscht haben wir, weil wir torial gebaut haben. torial ist das kostenlose Portfolio-Netzwerk für Journalisten. Bei torial zeigen Journalisten Kompetenz und sie finden Kompetenz. Mit wenig Aufwand wird die eigene Expertise in den richtigen Kontext gestellt. In der Folge finden Journalisten hier Inspiration, behalten ihre Themen im Auge und finden sich zu ganz konkreten Kooperationen zusammen. Wer hat den richtigen Kontakt für mich? Wer hat relevantes Footage?

Nicht unerheblicher Nebeneffekt: torial schafft auch die entscheidende Präsenz in Richtung der Kunden. Verleger und Redakteure finden hier die Experten, die sie aktuell brauchen. torial ist noch nicht groß, aber es dient bereits 2.500 JournalistInnen als effizienter Webauftritt und immer öfter berichten sie uns von kleinen und größeren Hilfestellungen, die sie bei torial gefunden haben, aber auch vermehrt von Kundenanfragen.

Sie sind Journalist und nicht bei torial? Versteh ich nicht! Es ist nämlich auch noch kostenfrei und gemeinnützig und extrem einfach und schnell zu handhaben. Jedenfalls, um so etwas zu bauen, mussten wir die Lage der Journalisten und des Journalismus verstehen. Und von den subjektiven Ergebnissen dieses Verständnisprozesses handelt dieser Text.

“… den Journalisten geht’s wohl zu gut!?”

Die deutsche Journalistin und den deutschen Journalisten gibt es nicht. Es ist die vermutlich am wenigsten homogene Zielgruppe, die man sich aussuchen kann. Gemeinsam haben sie eine gewisse Form von Eitelkeit, neugierig sind sie auch und deshalb sind sie wahrscheinlich auch meistens schlau.

Wir haben sehr schnell aufgehört damit, Journalisten zu fragen, was sie sich von torial wünschen: Es ist eh immer irgendetwas zwischen Perpetuum mobile und Skynet. Unsere “Icebox” (digitale Sammelstelle für sinnvolle Ideen zur Weiterentwicklung der Software) ist sozusagen ein Kühlhaus.

“Geht’s denen zu gut?”, fragt Konrad Schwingenstein, unser Initiator und Investor, als ich ihm erkläre, wie schwer es ist, Journalisten ein wertvolles Geschenk (torial) zu machen. Aber erstens sind sie misstrauisch, die Journalisten, was ja gewissermaßen eine journalistische Tugend ist. Zweitens ist es natürlich nicht so einfach, aus der Masse der digitalen Heilsbringer herauszutreten. Und drittens wollen Journalisten sehr viel lieber erklären, wie etwas sich verhält, als Ratschläge zu bekommen. Das erzeugt gerne mal eine etwas „destruktive“ Haltung. Ursprünglich stand hier etwas von “Besserwissern” und dem “geliebten Haar in der Suppe” – aber die Kritik fand das zu beleidigt.

Dass es Journalisten nicht zu gut geht, ist klar. Der offensichtliche Druck auf die Branche und das Verständnis für die enorme Relevanz von freiem, hintergründigem und vielseitigem Journalismus für unseren Weg in eine digital geprägte Demokratie haben Schwingenstein ja gerade bewogen zu investieren. Sein Großvater war einer der SZ-Gründer, daher stammt das Geld und auch Schwingensteins Wunsch, etwas zurückzugeben.

… wirklich alles neu?

Weil sich so viel in so kurzer Zeit geändert hat, ist der Branchen-Diskurs ein wenig in eine Falle gelaufen. Man spricht nur noch und andauernd über Veränderung. Ein Perspektivwechsel ist hier recht erfrischend. Also, was ist eigentlich gleich geblieben? Dazu fallen mir vor allem zwei Dinge ein:

1. Ich als Medienkonsument will von einem einzelnen Journalisten genau das Gleiche wie vor 30 Jahren. Ich will, dass er unabhängig, neugierig, unbestechlich, genau und umfangreich interessiert ist. Und ich will, dass er alle diese Eigenschaften nutzt, um mir gute Storys zu erzählen und mich nah an der Realität zu informieren. Wegen mir muss er dafür weder Programmierer sein, noch jeden digitalen Hype abreiten. Ich will auch nicht unbedingt an einem Prozess teilnehmen oder sonstwie eingebunden werden. Schließlich muss ich auch mein eigenes Hamsterrad bedienen. Klar – komm mir keiner mit Papier, Abos oder irgendwelchem monomedialen, schülerzeitungshaften Informationsdesign! Aber …
2. … der Rohstoff für Journalismus ist derselbe geblieben. Vielleicht ist das Geschäft mit News tot, das mit Information ist es sicher nicht. Die informationelle Flut steigt und damit auch der Bedarf an Einordnung, Recherche und Reflexion. Die Produzenten und Verarbeiter dieses Rohstoffs sind Journalisten. Wir brauchen und wollen ihr Produkt.

Aber wo genau tut es eigentlich weh?

Wenn also der Rohstoff noch da ist, die Kunden noch da sind und die Produzenten auch, wo hakt es? Logisch, im Vertrieb. Bis jetzt haben Verlage aus vielen journalistischen Expertisen und Erzeugnissen (von Freien und Angestellten) ein Produkt gebaut, das der Werbung als Transportmittel diente. Dieses Konstrukt konnte so gut vermarktet werden, dass alle Beteiligten angemessen dafür bezahlt wurden und dabei weder Russlandbeilagen noch Videos verkauft werden mussten.

Und das ist es, was nicht mehr funktioniert. Es gibt keine Alternative, die es den Verlagen ermöglicht, in ähnlichem Umfang wie früher Journalisten angemessen zu bezahlen. Da sitzt der Schmerz. Und er sitzt fest und der Patient mag sich nicht so recht an seiner eigenen Heilung beteiligen. Er schluckt seine Tabletten nicht.

Der eingangs beschriebene Selektions- und Mutationsdruck wirkt also nicht so sehr auf den einzelnen journalistisch Kreativen, er ist eigentlich ein Verlagsproblem. Wir brauchen nicht etwa sich ständig neu erfindende Journalisten, sondern neue Vertriebsstrukturen. Und dafür brauchen wir die Verlage oder eben neue Verlage, neue Unternehmungen.

Ich glaube nicht daran, dass in Zukunft eine Armee von erfolgreichen Einzelunternehmern uns zufriedenstellend mit Tausenden von Einzelprodukten versorgen wird. Die digitale Welt bietet diese Möglichkeit zwar für Einzelne und das ist auch eine echte und wichtige Bereicherung. Aber ein guter Journalist ist nicht zwangsläufig ein geschickter Selbstdarsteller und nicht unbedingt ein guter Unternehmer. Manche sind auch irgendwie Künstler und brauchen für ihre Arbeit Ruhe und Sicherheit. Sie brauchen neue kollektive Strukturen, die ihnen das geben können.

Die armen Verlage!

Bevor mir das nachher einer ans Knie nagelt – na klar, der einzelne Journalist kann sich nicht einfach herausnehmen aus der Entwicklung. Wer aus verständlicher Angst, nachvollziehbarer Überforderung und schon fast zwangsläufigem Frust eine totale Verweigerungshaltung einnimmt, wer nicht mal bereit ist, das Neue anzusehen und zumindest auf Brauchbarkeit zu prüfen, wer weiter den Einzelkampf predigt, obwohl rechts und links von ihm die Gleichgesinnten dahingerafft werden, dessen Aktien möchte ich dann lieber doch nicht kaufen.

Gerade aus den Verlagen aber kommt ein Sperrfeuer guter Ratschläge, was Journalisten alles können sollten und was sie alles für tolle Möglichkeiten haben. Nein, natürlich, eierlegende Wollmilchschweine will man nicht, aber Infografik, Programmieren, alle Medien, alle Technik und unternehmerischer Spirit dürfen es schon sein. Selber schaffen sie es aber nicht mal, trotz eigenem, höchstdringendem Bedarf ein formatübergreifendes, abofreies, zeitgeistfähiges Bezahlmodel aufzusetzen. Ich sehe hier schon die Tendenz, den eigenen Innovationsdruck auf die Journalisten abzuleiten. Scheinbar ist noch genug Geld da, dass man sich das erlauben kann.

Es ist aber auch schwer für die Verlage. Nicht nur, dass das Geld zu knapp wird, um große, universelle Redaktionen zu unterhalten. Ganz langsam wird es auch immer schwieriger, mit einem betonierten Stuhlkreis ein spannendes und zeitgemäßes journalistisches Produkt zu erstellen. Das Internet passt nämlich nicht so recht zu den Verlagsstrukturen. Das Internet ist horizontal, durchgängig, flexibel, transparent und überall und bietet damit Möglichkeiten für den Journalismus, die nur schwer zu integrieren sind in die vertikalen, hierarchischen Strukturen im klassischen deutschen Elfenbeinturm. Dort muss man letztlich die eigene DNA infrage stellen, um tatsächlich reformfähig zu sein. Es wird sehr spannend sein zu beobachten, wem das als erstes und wem es überhaupt gelingt. Darauf warten kann man nicht.

Kooperation jetzt!

Es gibt ja auch viele, die nicht warten, und es gibt viele relevante Versuche. Und auf die Frage nach der Zukunft des Journalismus wird es eben auch sehr wahrscheinlich viele Antworten geben. Die Supermilchkuh “Print-Werbung” ist nicht nur tot, sondern es ist auch unwahrscheinlich, dass so ein homogener, permanenter Kapitalstrahl überhaupt wieder entsteht.

Mein Blick in die Glaskugel sieht so aus: Journalismus wird so sein wie das Netz: horizontal, durchgängig, flexibel, transparent und überall. Und das bedeutet auch, dass er kooperativ sein wird. Und dass Journalisten mit denen netzwerken, die sie brauchen, und nicht nur mit denen, die sie kennen, damit sie bei maximaler Effizienz die bestmögliche Arbeit machen können. Und dass Publizisten schnell und spontan die aktuell gebrauchte Expertise finden, um ihr Format zu füllen. Dafür ist es grundsätzlich wichtig, dass Journalisten sich und ihre Erfahrungen im Netz leicht auffindbar machen. By the way: Hab ich schon von torial erzählt?

Weihnachtsmann

Wenn ich mir jetzt noch was wünschen darf: Die digitale Welt sollte für den Journalismus nicht die totale Kapitalisierung bedeuten. Journalismus kann keine Ware werden wie jede andere. Journalismus ist keine Option. Also her mit den Zuschüssen! Journalismus ist selbst seine Maxime und nicht sein “Return on Investment”. Wenn er nur noch wert ist, was der Endkonsument dafür bezahlen will, dann ist das ganz schlicht demokratiegefährdend.

Ich glaube, wir brauchen auch in Zukunft starke Marken im Journalismus. Marken, die einen wichtigen Teil ihrer Wertschöpfung aus Zuverlässigkeit und Qualitätssicherung ziehen. Marken, auf die ich mich verlassen kann. Ich wünsche mir, dass die Unternehmer im kommenden Journalismus verstehen, dass es auch die Idealisten, Künstler und Nischen-Nerds braucht. Nicht nur Blockbuster, sondern auch “Panorama”.

Es geht nicht darum, den “alten” Journalismus wiederherzustellen oder zu erhalten. Mit dem Netz kann Journalismus viel besser und wirkungsvoller werden als je zuvor.


Marcus von Jordan, ist Geschäftsführer von torial. Dieser Text passt nicht in das Format der 5 Fragen, da er aber inhaltlich zu der Frage passt wie Journalismus sich verändert, erscheint er als Crosspost von Vocer auch hier.

Tim Klimeš, AVE:

“Guter Journalismus ist immer Handwerk und nie Routine.”

Was ist guter Journalismus?
Ein Journalismus, der nicht am Fließband entsteht, der nicht ritualisiert abgespult wird, sondern hinter dem ein Anliegen, eine Idee steckt. Ob das nun das Anliegen ist, zu informieren, aufzuklären, oder schlichter: zu unterhalten. Guter Journalismus ist immer Handwerk und nie Routine.

Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Natürlich! Eine große sogar! Als Inspirationsquelle. Als Informationsquelle. Als phänomenaler Kommunikationskanal.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Die sprichwörtliche Ochsentour im Lokalen. Wer früh anfängt zu schreiben, vor Ort ist, seien es auch vermeintlich banale Veranstaltungen, der sammelt mit der Zeit das Rüstzeug, das er – egal für welchen Job, ob in TV, im Radio, im Digitalen oder im Print – immer brauchen wird. Es klingt so banal, aber wer neugierig und ehrlich interessiert ist, stellt die richtigen Fragen. Und wer gelernt hat, die Antworten spannend zu vermitteln, der findet den Weg in die Branche ganz von selbst.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Der simpelste und erfolgsversprechendste Ratschlag: Einfach machen. Es ist richtig und wichtig, neue Ideen erst einmal zu diskutieren, sie zu Papier zu bringen, zu drehen und zu wenden. Aber: Irgendwann müssen diese Ideen auch umgesetzt werden, getestet werden, unter realen Bedingungen. Die Amerikaner haben “trial and error” zum Prinzip erhoben. Bei uns nennt man das dann wohl: “Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.” Sollte man sich öfter zu Herzen nehmen.

Wie geht’s weiter?
Es wird toll, mindestens. Nein, im Ernst: Es heißt zwar immer, die Branche sei in der Krise und sicherlich stimmt das bis zu einem gewissen Grad auch. Aber bei allem Trübsal: Wir werden gerade von neuen kreativen Ideen überschwemmt, die im Windschatten dieser Krise die Grenzen von Journalismus, von Storytelling neu ausloten. Neue Mitspieler wie BuzzFeed oder Netflix konnten ja nur deshalb dazu stoßen, weil die alte Ordnung durcheinander gewirbelt wurde. Und es gibt ja nun Schlimmeres, als von einer Kreativitäts-Welle ergriffen zu werden.


Tim Klimeš, Leiter TV & Digitale Projekte bei der AVE – hat u.a. das Format 140 Sekunden und 15 Minutes of Fame entwickelt

Werner Doyé, Frontal21:

“Ohne Begeisterung für Themen wird man als Journalistin oder Journalist nicht besonders gut sein.”

Was ist guter Journalismus?
Da gibt es so viele Definitionsmöglichkeiten. Klassisch: Gute Journalistinnen und Journalisten machen sich nicht gemein mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache (Hajo Friedrichs). Philosophisch: Guter Journalismus hilft beim Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit (I. Kant). Literaturtheoretisch: Die Kunst des Erzählens besteht darin, eine Katze mit maximalem Effekt aus dem Sack zu lassen (H. Karasek). Formalistisch: Guten Journalismus erkennt man an der sauberen Trennung der verschiedenen Darstellungsformen (Publizistik 1. Semester). Anarchistisch: Wenn ich hier nicht tanzen darf, möchte ich an dieser Redaktion nicht beteiligt sein (E. Goldman). Wer all das beherzigt und sich dann auch noch davor hütet mit – teilweise auch noch abgewandelten – Zitaten um sich zu schmeißen, der oder die hat es wirklich geschafft.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Wer sich noch an das Arbeiten mit einer veralteten Auflage des Oeckl erinnert kann gar nicht anders, als das Internet schon aus rein praktischen Gründen als großartige Hilfe zu empfinden. Außerdem liefert es Anregungen sowohl inhaltlicher als auch formaler Art in einem Ausmaß, das früher undenkbar war. Auch die sozialen Netzwerke sind hilfreich: Keine PK und kein Parteitag, von denen Kolleginnen und Kollegen nicht auch solche Beobachtungen twittern oder bloggen, die später nicht in Artikeln oder TV-Beiträgen auftauchen.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Am wichtigsten finde ich nach wie vor eine grundsätzliche Begeisterungsfähigkeit. Ohne diese Begeisterung für Themen wird man als Journalistin oder Journalist nicht besonders gut sein (was nicht heißt, dass man nicht total erfolgreich sein kann, aber das ist eine andere Geschichte). Hat man diese Begeisterungsfähigkeit, übersteht man auch die Schwierigkeiten die mittlerweile auf jedem Einstiegsweg in unseren Beruf warten und die sicherlich größer und entmutigender sein können als noch vor zehn Jahren. Was die Einstiegswege als solches betrifft: Wer ein Volontariat oder einen Platz auf einer Journalistenschule ergattert, hat immer noch gute Chancen.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Ratschlag: Siehe „Begeisterungsfähigkeit“ in der Antwort zuvor.
Regel: Mach Dir klar was die Aussage des Textes oder Beitrags sein soll, bevor Du anfängst zu schreiben.
Routine: Ich schaue mir Beiträge mit etwas zeitlichem Abstand noch mal an und finde jedes mal Dinge, die man hätte besser machen können.

Wie geht’s weiter?
Die Arbeitsbedingungen werden schlechter, guten Journalismus wird es aber weiterhin geben. Dank Bloggern etc. gibt es sogar mehr davon, auch wenn er manchmal schwerer zu finden ist.


Werner Doyé, Redakteur und Satiriker bei Frontal21 (ZDF)

Kathrin Hartmann, freie Journalistin:

“Ich beobachte ein zunehmendes Misstrauen gegen die Mainstreammedien, das ich auch teile.”

Was ist guter Journalismus?
Guter Journalismus hinterfragt Macht und beleuchtet deren Strukturen und Auswirkungen auf die Allgemeinheit. Er ist unabhängig aber auch empathisch, schaut den Herrschenden auf die Finger und agiert nicht als deren Verlautbarungsorgan. Eher nimmt er die Rolle einer Gegenöffentlichkeit ein – indem er Fakten richtig gewichtet und in den größeren Zusammenhang einordnet, so dass sich die Allgemeinheit ein Urteil bilden kann. „Neutral“ zu sein bedeutet nicht, keine Haltung zu haben, sondern unabhängig zu sein von Interessen, die nur einem kleinen Teil der Gesellschaft nützen. Guter Journalismus ist investigativ, klärt auf, stellt aber mehr Fragen als er meint, beantworten zu können, regt Debatten an und gestaltet eine lebendige demokratische Gesellschaft.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Als ich anfing, journalistisch zu arbeiten, war Internetrecherche kaum möglich. Man musste viel Zeitung lesen und in Archiven stöbern. Vor allem aber musste man mit vielen Menschen reden. Es war nicht so leicht, sich schnell ein Urteil zu bilden. Mühsam manchmal, aber nicht unbedingt ein Nachteil. Heute ist mir das Internet eine riesengroße Hilfe, ich habe Zugriff auf internationale Zeitungen, Studien, Blogs – insbesondere Watchblogs – und ich kann Gesprächspartner aus der ganzen Welt finden und mit ihnen ganz einfach kommunizieren.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Mein Weg in den Journalismus war klassisch – jahrelange feste und freie Mitarbeit im Lokalteil der Frankfurter Rundschau, dann Volontariat bei der FR. Man glaubt es kaum, aber davon konnte ich neben meinem Studium ganz gut leben. So einen klassischen Weg würde ich jederzeit empfehlen, aber ich glaube, dass das heute für viele unmöglich ist. Freier Journalismus, insbesondere Lokaljournalismus, ist katastrophal schlecht bezahlt, Praktika manchmal gar nicht. Da dranzubleiben geht eigentlich nur, wenn man Eltern hat, die einem das finanzieren. Eine fatale Entwicklung, die auch dazu führt, dass sich an den Journalistenschulen und in den Medien selbst immer mehr Angehörige höherer Schichten tummeln und dort ihre Weltsicht verbreiten.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Weil ich gern Dinge hinterfrage, die mehrheitlich für gut befunden werden, weil sie so pragmatisch sind (zB. Ethischer Konsum, Tafeln, Mikrokredite, Fairer Handel) klopfe ich diese nach folgenden Fragen und recherchiere entsprechend: Wer sind die Akteure? Ändert es die Strukturen oder erhält es sie? Wie sehen es die, die angeblich davon profitieren sollen? Wer profitiert tatsächlich? Was sind die Folgen für die, die es betrifft, und für die Allgemeinheit? Dabei versuche ich, vor allem mit denen zu sprechen, über die dauernd gesprochen wird, die aber nie zu Wort kommen, weil sie gar nicht erst gefragt werden.

Wie geht’s weiter?
Ich beobachte ein zunehmendes Misstrauen gegen die Mainstreammedien, das ich auch teile. Das absurde Chaos bei Spiegel, Stern und Focus spricht Bände. So auch der Erfolg bestimmter Blogs und Internetportale wie Nachdenkseiten, Bildblog, Carta, law blog, Klimalügendetektor und andere Watchblogs, die auch die Medien selbst ins Visier nehmen. Gleichzeitig gibt es mehr und mehr journalistische Projekte, die von großen Verlagshäusern unabhängig sind oder sein wollen und so etwas wie „demokratischen“ Journalismus bieten wollen. Ich weiß noch nicht so richtig, was ich davon halten soll. Vielleicht wird das zu einer Blase. Dass sie sich aber zur Aufgabe gemacht haben, ungerechte und verkrustete Strukturen – letztlich Machtverhältnisse – aufzulösen oder zumindest zu hinterfragen und damit eine Debatte über Journalismus anregen, das gefällt mir gut.


Kathrin Hartmann, freie Journalistin und stv. Vorsitzende der freischreiber

Benjamin Piel, Elbe-Jeetzel-Zeitung:

“Einfach machen.”

Was ist guter Journalismus?
Die schlimmste Hauptsache der Welt.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Komische Frage.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Einfach machen. Und machen. Und machen. Und machen. Und wenns am Ende keinen Spaß bringt: lassen.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Morgens ein Kaffee hilft manchmal.

Wie geht’s weiter?
Be here now.


Benjamin Piel, Elbe-Jeetzel-Zeitung, (Gewinner des Theodor-Wolff-Preises 2014)

Fiona Krakenbürger, freie Journalistin:

“Sich nicht beirren lassen.”

Was ist guter Journalismus?
Die Frage ist zwar einfach gestellt, aber umso schwieriger zu beantworten. Im öffentlichen Diskurs wird nicht selten von allgemein gültigen Kriterien für „Guten Journalismus“ ausgegangen. Er soll unabhängig sein, vermeintlich objektiv, investigativ, mit Zeit, Mühe, Schweiß und Tränen des Journalisten aufgewertet sein und vor Nichts zurückschrecken. Viele dieser Ansprüche sind nur noch für einen Bruchteil der momentan aktiven JournalistInnen realistische Ziele, geschweige denn Lebensrealität und es werden viele journalistische Produkte konsumiert, die sogar keinem dieser Ansprüche genug werden. Ich glaube, es immer ein subjektives und sehr persönliches Erlebnis, ob Journalismus gut ist. Ich sehe die bedeutsamen Kriterien woanders – in der vermittelnden Funktion von Journalismus. Journalismus ist eine Möglichkeit, verschiedenen Welten etwas übereinander zu erzählen. Dafür muss Journalismus zwei Kriterien erfüllen – er muss Sachverhalte gut erfassen und zweitens vermitteln können. Das heißt, JournalistInnen müssen sich einen Überblick verschaffen, die Spezifika herausarbeiten und diese in einer Sprache wiedergeben, die ihrer Zielgruppe zusagt und verständlich ist.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Das Internet bietet mir seit vielen Jahren einen Resonanzraum für das was ich schreibe, sage und zeige. Das wertvollste Feedback kommt dabei von Menschen, die selber keinen technischen Hintergrund haben, aber interessiert an Computertechnologien sind und gerne dazu lernen möchten. Sie können mir ein Bild davon vermitteln, welche Ansätze ihnen weiterhelfen, welche zugänglich sind und welche sie überfordern. Darüber hinaus wäre ich ohne das Internet sicherlich nie in die Rolle einer Vermittlerin für Technisches gekommen. Das ist erst durch den Austausch mit Lesern und Leserinnen von Fionalerntprogrammieren eine naheliegende Option geworden, da der Bedarf für ein niedrigschwelliges Angebot von n00bs für n00bs erst dadurch sichtbar wurde.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Das weiß ich nicht genau – du bist im Grunde genommen der erste, der mich Journalistin nennt. Ich bin offensichtlich reingerutscht. Aber ich denke, generell gilt: Die Alternative zum klassischen Ausbildungsweg hin zu einer Expertin ist es, eine spezifische und besondere Kombination von Interessen und Fähigkeiten zu haben.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Ich tue eigentlich nur das, was ich auch spannend finde, das hat bisher überraschend gut funktioniert. Ansonsten haben sich zwei Dinge bewährt: Aktiv den Austausch mit interessanten und spannenden Menschen suchen und sich nicht beirren lassen.

Wie geht’s weiter?
In den nächsten 6 Monaten werde ich auf jeden Fall den Projekten n00bcore und Looking Into Black Boxes mehr Zeit widmen. Das Studium muss ich dafür niedriger priorisieren, aber die gewonnene Zeit werde ich mit großer Sicherheit sinnvoll nutzen, unter Umständen auch für ein paar Artikel rund um die Themen, mit denen ich mich zur Zeit beschäftige.

Fiona Krakenbürger, freie Journalistin und Podcasterin

Guido Graf, litradio:

“Wir hören ja nicht auf, keine Ahnung zu haben.”

Was ist guter Journalismus?
Menschen, Dinge und Kontexte zeigen und erzählen, die man selbst noch nicht kennt und die vermutlich auch nur weniger derjenigen kennen oder so betrachtet haben, für die man schreibt. Gute Journalisten erfinden investigativen Kulturjournalismus oder entwickeln Storytellingmodelle, um Prozesse im Finanzsektor zu beschreiben. Guter Journalismus weiß, was er erzählen und zeigen und hörbar und sichtbar machen will, weiß um die Werkzeuge, mit denen das möglich ist, weiß über ihre Grenzen und Unzulänglichkeiten und eben ihre Möglichkeiten, weiß nicht nur genau, was ihn interessiert, sondern kann das auch aus der Leser-, Nutzer-, Zuhörer- und Zuschauerperspektive vorstellen. Guter Journalismus weiß, dass früher alles besser war, dass das Jetzt die unendliche Fläche der Gleichzeitigkeit und des Vorläufigen ist und dass er übermorgen vielleicht schon seine Kernkompetenzen in irgendeiner PR-Knechtschaft monetarisieren muss. Guter Journalismus wird von Menschen gemacht, die Mechaniker und Melancholiker zugleich sind.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Das Internet ist für Journalisten ein Raum für Recherche, Kommunikation und Produktion, der sich mit anderen medialen Räumen auf nahezu jede denkbare Weise verbinden lässt. Entscheidend ist die Kombination dieser Felder. Auch die Kombination mit den nicht-digitalen Räumen. Dann passiert etwas Neues.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Wer glaubt, den besten Weg gewählt zu haben, hat den Beruf verfehlt und ist voraussichtlich längst im Abseits gelandet. Man muss viele Wege gehen, manchmal sogar mehrgleisig. Auch die klassische lokaljournalistische Kaninchenzüchtervereinsversammlungsvariante als Startpunkt kommt heute, wenn sie gut sein will, nicht mehr aus ohne Kompetenzen gegenwärtiger medialer Instrumente und ihrer multimedialen Produktion. Vor allem gibt es keinen sicheren Weg. Die Wahrscheinlichkeit, gut bezahlte Aufträge oder gar Jobs zu bekommen, ist sicher höher, wenn man eine Journalistenschule absolviert. Die Zukunft des Journalismus kann aber auch woanders stattfinden. Man sollte nach Ausbildungswegen suchen, die nicht nur einem selbst ermöglichen, sich unverwechselbare Kompetenzen anzueignen, sondern vor allem anderen Journalismus als gemeinschaftliche Praxis zu entwickeln.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Heinz von Foerster hat gesagt: „Bitte, nie zu sagen, das ist langweilig, das kenn ich schon. Das ist die größte Katastrophe. Immer wieder sagen, ich habe keine Ahnung, ich möchte das noch einmal erleben.“ Also: ich habe keine Ahnung, also frage ich noch mal. Und noch mal. Und beim nächsten Mal wieder. Es hört ja nicht auf. Wir hören ja nicht auf, keine Ahnung zu haben.

Wie geht’s weiter?
Unsicherheiten, Veränderungen, Katastrophen und immer wieder einzelne neue Ideen. Mit diesen anstrengenden medialen und ökonomischen Bedingungen kämpfen Journalisten schon länger als zehn oder zwanzig Jahre. Martin Burckhardt hat in seinem Buch „Digitale Renaissance“ einen größeren Kontext dazu umrissen. Und um solche Kontexte im Kleinen wie im Großen wird es verstärkt gehen. Kontexte, in denen Medienbedingungen wie etwa die Grenzen zwischen Produktion und Rezeption reflektiert werden. Kontexte, die durch gemeinschaftliche Produktion und Rezeption überhaupt erst hergestellt werden. Kontexte, die spannend sind, weil sie beweglich sind und man an ihnen teilhaben, sie mit anderen zusammen gestalten kann. Muss man das noch Journalismus nennen? In diesen Kontexten wird es (traditionelle) Produktions- und Publikationsformen geben, die der Aufklärung der Gemeinschaft oder Gesellschaft über sich selbst dienen. In den Maschinenräumen dieses zukünftigen Journalismus arbeiten die Türhüter von gestern und heute als Schmiermittelexperten.


Guido Graf, unterrichtet Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Gründer von litradio.net.

Jan Christe, t3n:

“Gerade im Online-Journalismus stehen wir erst am Anfang.”

Was ist guter Journalismus?
Guter Journalismus hilft dabei, die Welt oder einen thematischen Ausschnitt dieser besser zu verstehen. Außerdem schafft er neue Blickwinkel und inspiriert.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Es bietet die Möglichkeit, mit überschaubarem Aufwand journalistisch aktiv zu werden, eine Öffentlichkeit zu erreichen (und sei sie zunächst auch noch so klein) und gute Geschichten zu erzählen. Ohne das Internet wäre ich nicht in der Lage gewesen, zusammen mit Kollegen innerhalb von nur 10 Jahren einen Digital-Verlag aufzubauen, der heute für 30 Menschen den Lebensunterhalt erwirtschaftet.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
DEN besten Weg gibt es aus meiner Sicht nicht. Aber ein guter Anfang ist es, selbst aktiv zu werden, also zu twittern, zu bloggen, sich in Online-Communitys zu engagieren oder Gastartikel für Blogs und andere Publikationen zu schreiben. So trainiert man und vor allem entstehen so Kontakte, die den Weg in den Beruf ebnen.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Beim Journalismus: Maximale Empathie für den Leser. Gerade als Fachmedium sollte man dies beherzigen, denn nur so schafft man es, von den Lesern als „unverzichtbar“ wahrgenommen zu werden.
Bei der täglichen Arbeit: Den Tag nicht in der E-Mail-Inbox starten, sondern mit der Frage: Was will ich heute schaffen, damit ich Abends denke „heute war ein guter Tat“?

Wie geht’s weiter?
Aufregend. Gerade im Online-Journalismus stehen wir aus meiner Sicht erst am Anfang. Neue Technologien werden uns völlig neue Erzählformen ermöglichen. Und auch mit heutigen Mitteln ist bereits mehr möglich, als wir auf vielen Seiten sehen. Ich habe zudem die Hoffnung, dass die Probleme der Tageszeitungen und vieler großer Online-Medien dazu führen, dass einige der dort beschäftigten Journalisten das Heft selbst in die Hand nehmen und interessante Projekte starten.


Jan Christe, t3n

Melanie Bergermann, WiWo:

“Follow the money”

Was ist guter Journalismus?
Guter Journalismus steht für intensive Recherche, die dem Leser einen Erkenntnisgewinn beschert.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Das Internet hilft Informationen ohne viel Aufwand einzuholen. Es ist allerdings auch eine Gefahr. Informationen, werden oft ungeprüft ins Netz gestellt, Quellen sind nicht verifizierbar. Die Anonymität des Internets lockt viele unseriöse Meinungsmacher an.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Eine Mix aus Theorie und Praxis. Praktika und freie Mitarbeit bei verschiedenen Medien helfen ein Bild vom Beruf des Journalisten zu gewinnen und stellen den sinnvollsten Start in den Beruf dar. Eine zusätzliche theoretische Ausbildung, um die verschiedenen Stilformen, Recherchemethoden und vor allem rechtlichen Grundlagen zu erlernen, ist allerdings unverzichtbar.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Follow the money!

Wie geht’s weiter?
Guten Journalismus wird es noch in 1000 Jahren geben.


Melanie Bergermann, Wirtschaftswoche (Wirtschaftsjournalistin des Jahres)

Mario Sixtus, Elektrischer Reporter:

“Frei schreiben, viel frei schreiben, noch mehr frei schreiben.”

Was ist guter Journalismus?
Guter Journalismus erklärt die Welt. Er liefert dem Nutzer Informationen über die wirkenden Mechaniken, Zusammenhänge und Hintergründe unserer Relitätsebene, damit es ebendiesem Nutzer – im besten anzunehmenden Fall – einfacher fällt, in seinem Leben sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Das Ziel muss also immer das große Bild sein, auch wenn die kleine heiße Nachricht noch so verführerisch blinkt und heult.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Das Internet ist eine Jetztmaschine. Auch wenn irgendwelche Informationen mal nicht direkt – jetzt – im Netz herumliegen, finde ich über das Netz Menschen, die mir auf der Suche danach weiter helfen – jetzt.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Frei schreiben, viel frei schreiben, noch mehr frei schreiben; Kellnern gehen oder sich einen anderen Nebenjob suchen, der es
erlaubt, viel frei zu schreiben.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Denken wie ein Naturwissenschaftler. Karl Popper verstehen

Wie geht’s weiter?
Die alten Institutionen, die stellvertretend für zumindest soliden Journalismus standen, verschwinden. Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. In Zukunft wird der Nutzer die Glaubwürdigkeit einer Quelle, die Plausibilität einer Nachricht, die Vertrauenswürdigkeit eines Experten etc. weitgehend selbst berurteilen müssen. Peter Glaser hat mal gesagt, im Internet-Zeitalter müsse jeder User grundlegende journalistische Fähigkeiten entwickeln. Und genau so ist es.


Mario Sixtus, Elektrischer Reporter auf ZDFinfo und freier Journalist