Dieter Kassel, Deutschlandradio Kultur:

Wer “Radio machen” wirklich geil findet, der kommt am Ende auch ins Radio, und der Weg dahin ist ziemlich egal.

Was ist guter Journalismus?
Er muss die richtigen Fragen stellen, geduldig nach begründeten Antworten suchen und dann versuchen, auch die umfangreichsten und widersprüchlichsten Recherche-Ergebnisse möglichst verständlich darzulegen. Egal in welchem Medium. Sehr wichtig dabei: Man darf sich nicht zuerst die Antworten überlegen, und dann Belege dafür suchen, dass diese richtig sind. Klingt ohnehin sehr unlogisch, wird aber häufig so gemacht. Den wenigsten Menschen und auch nur sehr wenigen Journalisten gefällt es, etwas herauszufinden, was ihre persönliche Weltanschauung erschüttert. Ich übrigens finde genau das besonders interessant.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Ja, das ist es unbedingt. Ich kann mich noch an Zeiten vor dem weltweiten Netz erinnern. Da musste man für jede kleine Auskunft ein Telefongespräch führen, verbrachte bei längeren Recherchen ganze Tage in Bibliotheken. Heute hat man unendlich viele Informationen per Smartphone jederzeit parat. Das ist sehr gut, und ich verstehe Menschen nicht, die finden, das Internet habe gerade für Journalisten die Welt zu einer schlechteren gemacht. Das ist Unfug. Jedoch: Das Internet bietet uns unendlich viele Informationen über die Welt, es ist aber nicht die Welt. Leider gibt es inzwischen Kollegen, die davon überzeugt sind, eine Recherche sei vollständig, auch wenn sei nur im Internet stattfand. Das ist sie aber dann nicht. Im Internet sind Nummern zu finden, die wir anrufen sollten, und Orte, an die wir uns begeben sollten. Das müssen wir dann aber trotz www noch machen.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Neulich habe ich festgestellt, dass so gut wie alle Kollegen, die ich beruflich wirklich schätze, genau so ins Radio gekommen sind wie ich. Alle saßen sie irgendwann – vom Alter her so etwa zwischen dem zwölften und dem 16. Lebensjahr – irgendwo in Deutschland vor dem Radio, hörten einen ortsüblichen Sender und sagten sich: Das will ich auch machen! Was zwischen diesem Moment und dem ersten bezahlten Betreten eines Funkhauses passiert ist, das war bei allen ziemlich unterschiedlich, und genau das zeigt: Wer “Radio machen” wirklich geil findet, der kommt am Ende auch ins Radio, und der Weg dahin ist ziemlich egal. Wer aber Überlegungen anstellt wie “Was soll ich studieren, werd’ ich lieber Bankkaufmann, Mathematiklehrer oder Journalist”, der ist in unserem Beruf falsch. Das gilt natürlich nicht nur fürs Radio, sondern auch für Zeitung, Fernsehen und Internet.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Wenn man wissen möchte, ob man etwas wirklich verstanden hat, gibt es einen einfachen Trick: Wirf all Deine Zettel weg, schalte alle Bildschirme ab, und versuche dann, diesen Sachverhalt komplett in eigenen Worten wiederzugeben. Wenn man sich als Moderator daran hält, hat das noch einen weiteren Vorteil: Man entwickelt automatisch einen eigenen Stil und vermeidet die Gefahr, dass gute Vorbereitung – die unbedingt notwendig ist – dazu führt, dass man nicht mehr moderiert, sondern abliest. Das geht alles auf die Hinweise eines Mannes zurück, der oft mein Chef vom Dienst war während meines Volontariats. Das ist Epochen her, aber es ist immer noch wahr.

Wie geht’s weiter?
Dahinter steckt doch die große Frage, wie sich die Medien entwickeln werden, ob es außer dem Internet überhaupt noch etwas geben wird und wie man im Internet mit vernünftigen Angeboten Geld verdienen kann. Nun, die Antwort ist ganz einfach: Ob man Radio über Langwelle, UKW, DAB oder eben im Internet hört ist grundsätzlich für die Inhalte egal. Das gilt für das Fernsehen und die Zeitungen genau so. Auch in Zukunft werden die Erfolg haben, die das anbieten, was viele Leute haben wollen. Das ist aber nichts Neues, auch der Erfolg von Printmedien wie der FAZ oder dem Spiegel beruht schon seit Jahrzehnten auf dieser Regel. Nur haben gerade Verlagshäuser am Anfang des Internets den großen Fehler gemacht, das Netz nicht ernst zu nehmen und ihre Inhalte dort deshalb kostenlos anzubieten. Das lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Ich glaube nicht an Bezahlmodelle für Nachrichtenangebote im Internet. Die müssen sich durch Werbung finanzieren, was aber – siehe Spiegel Online – prinzipiell möglich ist. Ansonsten gilt die Regel: Wer etwas bietet, was woanders wirklich nicht umsonst zu haben ist, der wird auch Geld dafür nehmen können. Was mein Medium, das Radio angeht: Reine Musiksender werden immer mehr Probleme bekommen. Sie werden durch Streaming-Angebote, die zu 100 % auf den einzelnen Nutzer zugeschnitten sind, bald überflüssig. Dadurch wird sich die Rundfunklandschaft stark verändern. Zwei Modelle aber haben Zukunft: Radioprogramme, die stark aufs Wort setzen, und ihre Wortbeiträge auch als Audio-On-Demand gut aufbereitet anbieten. Und Radioprogramme, die Musik nicht einfach nur abdudeln, sondern sie von Musikliebhabern auswählen und präsentieren lassen. Denn wer Musik wirklich gerne hat, der will auch ständig neue kennenlernen. Das geht mit radioähnlichen Streaming-Angeboten aber nicht. Noch nicht…

dieterkassel

Dieter Kassel, Deutschlandradio Kultur

Marcus von Jordan, torial:

“Journalismus wird so sein wie das Netz: horizontal, durchgängig, flexibel, transparent und überall. Und das bedeutet auch, dass er kooperativ sein wird.”

Seit drei Jahren springe ich wie ein schusseliger Professor mit meinem Fangnetz durch die Biotope des deutschen Journalismus und fange seltene und gewöhnliche Exemplare von Journalisten. Dann starre ich durch mein Mikroskop auf ihre Zusammensetzung. Mit einem besonderen Interesse für ihren Verdauungsapparat, denn man will ja wissen, wie sie sich ernähren.

Ihre Fortpflanzung interessiert mich weniger, die scheint einstweilen zu funktionieren. Immer noch wollen viele junge Menschen Journalisten werden. Trotz Krise und vor allem trotz Anbetung der Krise scheint der Beruf nichts von seiner Anziehungskraft verloren zu haben. Die untersuchten Aufzuchtstationen (DJS, Axel Springer Akademie, Macromedia u.v.m.) sind voll von schillernden, lebhaften Exemplaren, denen viele der Neuerungen selbstverständlich sind und die dementsprechend ganz unbeschwert losflattern.

Auch sehr interessant: Schwarmverhalten (Freischreiber, DJV und Weltreporter), Wanderrouten und ökologische Nischen (v. a. die sogenannten Blogs), Rudelbildung (Krautreporter) und sehr interessante Einzelexemplare – Alphatierchen (Hallo, Dirk, Alex, Richard!) und Königinnen (Hallo, Caro! Hallo, Kixka!).

Schon vor Beginn des Forschungsprogramms war klar, dass sich der Lebensraum dieser Spezies spektakulär verändert hat und sich immer weiter verändert. In der Studie hat sich gezeigt, dass bei Weitem nicht alle Veränderungen nachteilig sind. Aber sie sind extrem umfassend und schnell und der Selektionsdruck ist von daher enorm hoch. Damit wird die Mutationsfähigkeit zur zentralen Größe. Das gilt gleichermaßen für Individuen und soziale Zusammenschlüsse.

Interessanterweise wird eine lineare Forschung immer wieder gestört durch die öffentlich-rechtliche Biosphäre. Wenn auch die Diversität in dieser Sphäre häufig erfreulich ist und unabhängig davon, dass ihre Existenz notwendig sein mag, so ist doch offensichtlich, dass die Abschirmung gegen die schädlichen Umwelteinflüsse und die unnatürliche Fütterung insofern Degenerationsprozesse fördern, dass es zur aktiven Verweigerung offensichtlich notwendiger Mutation kommt. Besonders in einer derart umfangreichen Metamorphose ist es schwierig, ein wissenschaftliches Spektrum richtig zu beurteilen, in dem so völlig verschiedene Grundvoraussetzungen gelten.

Jetzt mal im Ernst!

Geforscht haben wir, weil wir torial gebaut haben. torial ist das kostenlose Portfolio-Netzwerk für Journalisten. Bei torial zeigen Journalisten Kompetenz und sie finden Kompetenz. Mit wenig Aufwand wird die eigene Expertise in den richtigen Kontext gestellt. In der Folge finden Journalisten hier Inspiration, behalten ihre Themen im Auge und finden sich zu ganz konkreten Kooperationen zusammen. Wer hat den richtigen Kontakt für mich? Wer hat relevantes Footage?

Nicht unerheblicher Nebeneffekt: torial schafft auch die entscheidende Präsenz in Richtung der Kunden. Verleger und Redakteure finden hier die Experten, die sie aktuell brauchen. torial ist noch nicht groß, aber es dient bereits 2.500 JournalistInnen als effizienter Webauftritt und immer öfter berichten sie uns von kleinen und größeren Hilfestellungen, die sie bei torial gefunden haben, aber auch vermehrt von Kundenanfragen.

Sie sind Journalist und nicht bei torial? Versteh ich nicht! Es ist nämlich auch noch kostenfrei und gemeinnützig und extrem einfach und schnell zu handhaben. Jedenfalls, um so etwas zu bauen, mussten wir die Lage der Journalisten und des Journalismus verstehen. Und von den subjektiven Ergebnissen dieses Verständnisprozesses handelt dieser Text.

“… den Journalisten geht’s wohl zu gut!?”

Die deutsche Journalistin und den deutschen Journalisten gibt es nicht. Es ist die vermutlich am wenigsten homogene Zielgruppe, die man sich aussuchen kann. Gemeinsam haben sie eine gewisse Form von Eitelkeit, neugierig sind sie auch und deshalb sind sie wahrscheinlich auch meistens schlau.

Wir haben sehr schnell aufgehört damit, Journalisten zu fragen, was sie sich von torial wünschen: Es ist eh immer irgendetwas zwischen Perpetuum mobile und Skynet. Unsere “Icebox” (digitale Sammelstelle für sinnvolle Ideen zur Weiterentwicklung der Software) ist sozusagen ein Kühlhaus.

“Geht’s denen zu gut?”, fragt Konrad Schwingenstein, unser Initiator und Investor, als ich ihm erkläre, wie schwer es ist, Journalisten ein wertvolles Geschenk (torial) zu machen. Aber erstens sind sie misstrauisch, die Journalisten, was ja gewissermaßen eine journalistische Tugend ist. Zweitens ist es natürlich nicht so einfach, aus der Masse der digitalen Heilsbringer herauszutreten. Und drittens wollen Journalisten sehr viel lieber erklären, wie etwas sich verhält, als Ratschläge zu bekommen. Das erzeugt gerne mal eine etwas „destruktive“ Haltung. Ursprünglich stand hier etwas von “Besserwissern” und dem “geliebten Haar in der Suppe” – aber die Kritik fand das zu beleidigt.

Dass es Journalisten nicht zu gut geht, ist klar. Der offensichtliche Druck auf die Branche und das Verständnis für die enorme Relevanz von freiem, hintergründigem und vielseitigem Journalismus für unseren Weg in eine digital geprägte Demokratie haben Schwingenstein ja gerade bewogen zu investieren. Sein Großvater war einer der SZ-Gründer, daher stammt das Geld und auch Schwingensteins Wunsch, etwas zurückzugeben.

… wirklich alles neu?

Weil sich so viel in so kurzer Zeit geändert hat, ist der Branchen-Diskurs ein wenig in eine Falle gelaufen. Man spricht nur noch und andauernd über Veränderung. Ein Perspektivwechsel ist hier recht erfrischend. Also, was ist eigentlich gleich geblieben? Dazu fallen mir vor allem zwei Dinge ein:

1. Ich als Medienkonsument will von einem einzelnen Journalisten genau das Gleiche wie vor 30 Jahren. Ich will, dass er unabhängig, neugierig, unbestechlich, genau und umfangreich interessiert ist. Und ich will, dass er alle diese Eigenschaften nutzt, um mir gute Storys zu erzählen und mich nah an der Realität zu informieren. Wegen mir muss er dafür weder Programmierer sein, noch jeden digitalen Hype abreiten. Ich will auch nicht unbedingt an einem Prozess teilnehmen oder sonstwie eingebunden werden. Schließlich muss ich auch mein eigenes Hamsterrad bedienen. Klar – komm mir keiner mit Papier, Abos oder irgendwelchem monomedialen, schülerzeitungshaften Informationsdesign! Aber …
2. … der Rohstoff für Journalismus ist derselbe geblieben. Vielleicht ist das Geschäft mit News tot, das mit Information ist es sicher nicht. Die informationelle Flut steigt und damit auch der Bedarf an Einordnung, Recherche und Reflexion. Die Produzenten und Verarbeiter dieses Rohstoffs sind Journalisten. Wir brauchen und wollen ihr Produkt.

Aber wo genau tut es eigentlich weh?

Wenn also der Rohstoff noch da ist, die Kunden noch da sind und die Produzenten auch, wo hakt es? Logisch, im Vertrieb. Bis jetzt haben Verlage aus vielen journalistischen Expertisen und Erzeugnissen (von Freien und Angestellten) ein Produkt gebaut, das der Werbung als Transportmittel diente. Dieses Konstrukt konnte so gut vermarktet werden, dass alle Beteiligten angemessen dafür bezahlt wurden und dabei weder Russlandbeilagen noch Videos verkauft werden mussten.

Und das ist es, was nicht mehr funktioniert. Es gibt keine Alternative, die es den Verlagen ermöglicht, in ähnlichem Umfang wie früher Journalisten angemessen zu bezahlen. Da sitzt der Schmerz. Und er sitzt fest und der Patient mag sich nicht so recht an seiner eigenen Heilung beteiligen. Er schluckt seine Tabletten nicht.

Der eingangs beschriebene Selektions- und Mutationsdruck wirkt also nicht so sehr auf den einzelnen journalistisch Kreativen, er ist eigentlich ein Verlagsproblem. Wir brauchen nicht etwa sich ständig neu erfindende Journalisten, sondern neue Vertriebsstrukturen. Und dafür brauchen wir die Verlage oder eben neue Verlage, neue Unternehmungen.

Ich glaube nicht daran, dass in Zukunft eine Armee von erfolgreichen Einzelunternehmern uns zufriedenstellend mit Tausenden von Einzelprodukten versorgen wird. Die digitale Welt bietet diese Möglichkeit zwar für Einzelne und das ist auch eine echte und wichtige Bereicherung. Aber ein guter Journalist ist nicht zwangsläufig ein geschickter Selbstdarsteller und nicht unbedingt ein guter Unternehmer. Manche sind auch irgendwie Künstler und brauchen für ihre Arbeit Ruhe und Sicherheit. Sie brauchen neue kollektive Strukturen, die ihnen das geben können.

Die armen Verlage!

Bevor mir das nachher einer ans Knie nagelt – na klar, der einzelne Journalist kann sich nicht einfach herausnehmen aus der Entwicklung. Wer aus verständlicher Angst, nachvollziehbarer Überforderung und schon fast zwangsläufigem Frust eine totale Verweigerungshaltung einnimmt, wer nicht mal bereit ist, das Neue anzusehen und zumindest auf Brauchbarkeit zu prüfen, wer weiter den Einzelkampf predigt, obwohl rechts und links von ihm die Gleichgesinnten dahingerafft werden, dessen Aktien möchte ich dann lieber doch nicht kaufen.

Gerade aus den Verlagen aber kommt ein Sperrfeuer guter Ratschläge, was Journalisten alles können sollten und was sie alles für tolle Möglichkeiten haben. Nein, natürlich, eierlegende Wollmilchschweine will man nicht, aber Infografik, Programmieren, alle Medien, alle Technik und unternehmerischer Spirit dürfen es schon sein. Selber schaffen sie es aber nicht mal, trotz eigenem, höchstdringendem Bedarf ein formatübergreifendes, abofreies, zeitgeistfähiges Bezahlmodel aufzusetzen. Ich sehe hier schon die Tendenz, den eigenen Innovationsdruck auf die Journalisten abzuleiten. Scheinbar ist noch genug Geld da, dass man sich das erlauben kann.

Es ist aber auch schwer für die Verlage. Nicht nur, dass das Geld zu knapp wird, um große, universelle Redaktionen zu unterhalten. Ganz langsam wird es auch immer schwieriger, mit einem betonierten Stuhlkreis ein spannendes und zeitgemäßes journalistisches Produkt zu erstellen. Das Internet passt nämlich nicht so recht zu den Verlagsstrukturen. Das Internet ist horizontal, durchgängig, flexibel, transparent und überall und bietet damit Möglichkeiten für den Journalismus, die nur schwer zu integrieren sind in die vertikalen, hierarchischen Strukturen im klassischen deutschen Elfenbeinturm. Dort muss man letztlich die eigene DNA infrage stellen, um tatsächlich reformfähig zu sein. Es wird sehr spannend sein zu beobachten, wem das als erstes und wem es überhaupt gelingt. Darauf warten kann man nicht.

Kooperation jetzt!

Es gibt ja auch viele, die nicht warten, und es gibt viele relevante Versuche. Und auf die Frage nach der Zukunft des Journalismus wird es eben auch sehr wahrscheinlich viele Antworten geben. Die Supermilchkuh “Print-Werbung” ist nicht nur tot, sondern es ist auch unwahrscheinlich, dass so ein homogener, permanenter Kapitalstrahl überhaupt wieder entsteht.

Mein Blick in die Glaskugel sieht so aus: Journalismus wird so sein wie das Netz: horizontal, durchgängig, flexibel, transparent und überall. Und das bedeutet auch, dass er kooperativ sein wird. Und dass Journalisten mit denen netzwerken, die sie brauchen, und nicht nur mit denen, die sie kennen, damit sie bei maximaler Effizienz die bestmögliche Arbeit machen können. Und dass Publizisten schnell und spontan die aktuell gebrauchte Expertise finden, um ihr Format zu füllen. Dafür ist es grundsätzlich wichtig, dass Journalisten sich und ihre Erfahrungen im Netz leicht auffindbar machen. By the way: Hab ich schon von torial erzählt?

Weihnachtsmann

Wenn ich mir jetzt noch was wünschen darf: Die digitale Welt sollte für den Journalismus nicht die totale Kapitalisierung bedeuten. Journalismus kann keine Ware werden wie jede andere. Journalismus ist keine Option. Also her mit den Zuschüssen! Journalismus ist selbst seine Maxime und nicht sein “Return on Investment”. Wenn er nur noch wert ist, was der Endkonsument dafür bezahlen will, dann ist das ganz schlicht demokratiegefährdend.

Ich glaube, wir brauchen auch in Zukunft starke Marken im Journalismus. Marken, die einen wichtigen Teil ihrer Wertschöpfung aus Zuverlässigkeit und Qualitätssicherung ziehen. Marken, auf die ich mich verlassen kann. Ich wünsche mir, dass die Unternehmer im kommenden Journalismus verstehen, dass es auch die Idealisten, Künstler und Nischen-Nerds braucht. Nicht nur Blockbuster, sondern auch “Panorama”.

Es geht nicht darum, den “alten” Journalismus wiederherzustellen oder zu erhalten. Mit dem Netz kann Journalismus viel besser und wirkungsvoller werden als je zuvor.


Marcus von Jordan, ist Geschäftsführer von torial. Dieser Text passt nicht in das Format der 5 Fragen, da er aber inhaltlich zu der Frage passt wie Journalismus sich verändert, erscheint er als Crosspost von Vocer auch hier.

Stefan Schulz, F.A.Z.:

“Sachen, die einen nicht erregen oder aufregen, muss man niemandem vermitteln.”

Was ist guter Journalismus?
Guter Journalismus erklärt das meist Mögliche bestmöglich auf knappsten Raum, in knappster Zeit. Er ist kein Infotainment, sondern schafft Vertrauen, schürt Hoffnung und strengt an, wenn es nicht anders geht. Guter Journalismus ist harte Arbeit, um die auch das Publikum nicht herumkommt.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Alles, was nicht im Netz ist, ist mir keine Hilfe. Das macht es manchmal anstrengend, weil wir die Möglichkeiten des Netzes ständig überschätzen, aber nicht mehr wirklich in der Lage sind, mit wichtigen Dingen jenseits des Netzes umzugehen.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Man kann sich bewerben, auf Ratschläge hören und Handbücher befolgen. Aber der beste Weg ist die persönliche Förderung, Vertrauen, Zuspruch und Rückhalt. Journalismus als Beruf erlernt man nicht als Journalismusstudent.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Ich schreibe über Dinge, die mich aufregen, in der Hoffnung, dass sie andere wenigstens interessieren. Sachen, die einen nicht erregen oder aufregen, muss man niemandem vermitteln.

Wie geht’s weiter?
Wenn die Erschließung aller Kommunikationswege und die Öffnung aller Archive weiterhin nur darin mündet, dass nichts als Aktualität zählt, wissen wir in zehn Jahren nicht mehr, was ein konstruktiver, informierter Umgang mit den Angelegenheiten der Gesellschaft ist. Solange wir weiterhin nur über journalistische Vertriebswege diskutieren, sind wir auf dem besten Weg dahin. Es geht also vielleicht gar nicht weiter.


Stefan Schulz, F.A.Z.