Martin Knobbe, stern:

“Akzeptiere, dass du nie ganz zufrieden bist.”

Was ist guter Journalismus?

Guter Journalismus erzählt mir Neues. Er überrascht. Er löst Gefühle bei mir aus. Mindestens eines muss sein, idealerweise stimmen alle drei.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?

Ich sauge aus dem Internet: Ideen, Quellen, Kontakte. Ich puste ins Internet: meine Fragen, meine Entdeckungen, meine Geschichten (zumindest Teile davon).
Die Protagonisten meiner Artikel versuche ich trotzdem immer leibhaftig zu treffen – um sie zu sehen, zu hören, zu riechen und zu berühren. Die Protagonisten sind das wichtigste in meinen Geschichten.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Den besten gibt es nicht. Ich habe mit einer Reportage über ein Dackelrennen begonnen und habe sehr lange, sehr viele Lokalartikel geschrieben. Dabei habe ich am meisten gelernt. Ich glaube, das könnte heute immer noch funktionieren.
Auf der Journalistenschule genoss ich den Luxus, mich zweckfrei mit meinen Geschichten auseinandersetzen zu können. In dieser Zeit bin ich sicher geworden in meiner Arbeit.
Ich kenne viele, die sind auf ganz anderem Weg gute Journalisten geworden.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?

Akzeptiere, dass du nie ganz zufrieden bist.

Wie geht’s weiter?

Ich werde weiter Geschichten erzählen, die ich spannend finde. Ich werde mich zwingen, dafür neue Formen auszuprobieren, um nicht in Routinen zurückzufallen.
Ich kann nicht sagen, ob diese Geschichten in fünf Jahren noch jemand hören/lesen/sehen will. Ich glaube aber schon.


Martin Knobbe, US-Korrespondent Stern