Florian Zinnecker, Nordbayerischer Kurier:

“Jeder braucht jemanden, der ihm die Tür öffnet.”

Was ist guter Journalismus?
Ganz pauschal und subjektiv: jede Geschichte, die es schafft, mich als Leser wenigstens ein bisschen zu überrumpeln. Natürlich ist das nicht das einzige Kriterium, aber es ist nicht zu unterschätzen. Was genau mich überrascht, ist zweitrangig; das kann auch die Gründlichkeit und Ausdauer der Autoren sein, ihre Hellsichtigkeit, der Ton der Geschichte, eine neue Perspektive oder ein unerwarteter Zusammenhang. Das ist natürlich banal, denn es bedeutet nur, dass guter Journalismus etwas wirklich Neues ans Licht bringen muss. Es gibt aber gar nicht so viele Geschichten, die das schaffen.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
This is water.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Der führt über gute Kollegen. Jeder braucht jemanden, der ihm die Tür öffnet. Indem er ihn ermutigt, inspiriert, fördert, kritisiert, bezahlt, vielleicht auch einstellt – und sich vielleicht sogar in die Karten schauen lässt. Jeder hat(te) so einen, mindestens einen. Wer sagt, er hat keinen, hat’s nicht bemerkt.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Egal, wie überzeugt ich von dem bin, was ich tue, mindestens zehn Prozent Zweifel müssen bleiben: ob das gut ist und ob es ausreicht, ob es wirklich so wichtig ist oder totaler Schmarrn. Ich glaube, diesen Zweifelrest brauche ich, um dagegen anarbeiten zu können. Sonst kann ich mich nicht begeistern.

Wie geht’s weiter?
Vielleicht ganz anders als wir jetzt glauben. Ich gehe eher nicht davon aus, dass wir das in einer Podiumsdiskussion herausfinden.

Zinnecker
Florian Zinnecker, Nordbayerischer Kurier