Vera Schroeder, SZ:

‘”Du sollst nicht langweilen” ist für vieles schon ein sehr guter, auch ein sehr anspruchsvoller Rat.’

Was ist guter Journalismus?
Unabhängiger Journalismus, in ganz vielen Weisen, vor allem aber auch in dem Sinne, dass der Autor selbst denken muss. Klingt banal, ist es überhaupt nicht.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Komische Frage. Ist ein Werkzeug, dass man für den Beruf heute genauso braucht wie einen Stift oder seinen Mund oder einen Bürostuhl. Darüber hinaus ist es ein neuer Vertriebsweg, der in alle möglichen Richtungen funktioniert und der ganz neu und anders bespielt werden kann. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Man muss irgendwie herausfinden, ob man den Eigenantrieb, von dem dieser Beruf (zumindest in seiner oft idealisierten Ausführung) so stark abhängt, langfristig gerne und immer wieder herstellen kann. Also Praktika und ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Billy Wilders “Du sollst nicht langweilen” ist für vieles schon ein sehr guter, auch ein sehr anspruchsvoller Rat.

Wie geht’s weiter?
Mit unserem Beruf? Spannend wird’s! Ich mag es ja, dass wir gerade gezwungen sind, wahrscheinlich so ziemlich alles, was wir seit Jahrzehnten machen, einmal umzudrehen und neu zu denken. Und dann zu gucken, wo man wieder rauskommt.


Vera Schroeder, Süddeutsche Zeitung

Stefan Plöchinger, SZ:

“Sich verändern, bevor man verändert wird.”

Was ist guter Journalismus?
Journalismus. Schlechter Journalismus ist letztlich kein Journalismus. Siehe auch: 1, 2, 3.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Auch ich kenne ja noch die Ära von Klebelayout und grünen Monochrom-Bildschirmen, in der Telefon und Fax, nicht Google das wichtigste Recherchenmittel waren. Ich habe immer noch mehr Jahre bei Zeitungen als bei Online zugebracht. Ich glaube, das Internet hat mich inzwischen fauler gemacht, andere Menschen zu sprechen oder gar zu treffen – man kann ja auch durch Suchen, Kuratieren und vielleicht noch Mailen weit kommen. Ich staune immer, wie viele Interviews ich per Mail ausfülle, statt wirklich interviewt zu werden. Ist das Internet daran schuld? Quatsch. Es hilft uns im Gegenteil bei vielen Recherchen enorm, aber manchmal sind wir zu bequem. Guter Journalismus beginnt bei einigen Geschichten erst, wenn man vor die Tür geht.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Um in meiner Redaktion einen Job zu kriegen, müssen die Arbeitsproben überzeugen. Ich google inzwischen lieber nach Texten oder Tweets von Bewerbern, als ihre Lebensläufe zu lesen – die sind oft so biographiepoliert, dass es keinen Spaß mehr macht. Wer dagegen durchblicken lässt, dass er in der Lage ist, den Antworten auf die erste Frage hier zu folgen – egal, ob er das in Blogs, Gedrucktem, Videos oder sonstwo unter Beweis stellt –, den hätte ich gern.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Sich verändern, bevor man verändert wird. Das meine ich nicht nur grundsätzlich fürs Leben oder die Zukunft des Journalismus, sondern vor allem fürs Kleinklein des Alltags. Publizistische Prinzipien müssen unverrückbar sein, aber dass wir deshalb unsere Arbeitsweisen in Redaktionen betonieren und denken, in einem Jahr werde unser Alltag noch genauso funktionieren wie heute – das wäre ein Fehler. Tatsächlich müssen wir immer aufs Neue fragen, was wir noch in den kleinsten Routinen verändern können, um besser zu werden. Nichts ist für ewig.

Wie geht’s weiter?

via

Stefan Plöchinger, Chefredakteur SZ.de