Thomas Walde, ZDF:

“heiterweiter”

Was ist guter Journalismus?
Die richtige Mischung aus Haltung und Handwerk. Aufklärerisch. Unvoreingenommen. Hartnäckig.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Rechercheinstrument. Zugang zu Quellen. Gucken, was die anderen machen.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Fundierte Ausbildung in relevantem Fach + frühzeitige praktische Erfahrung + Illusionslosigkeit

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Ball flach und Anspruch hoch halten.

Wie geht’s weiter?
heiterweiter


Thomas Walde, ZDF-Hauptstadtstudio (Foto: ZDF)

Werner Doyé, Frontal21:

“Ohne Begeisterung für Themen wird man als Journalistin oder Journalist nicht besonders gut sein.”

Was ist guter Journalismus?
Da gibt es so viele Definitionsmöglichkeiten. Klassisch: Gute Journalistinnen und Journalisten machen sich nicht gemein mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache (Hajo Friedrichs). Philosophisch: Guter Journalismus hilft beim Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit (I. Kant). Literaturtheoretisch: Die Kunst des Erzählens besteht darin, eine Katze mit maximalem Effekt aus dem Sack zu lassen (H. Karasek). Formalistisch: Guten Journalismus erkennt man an der sauberen Trennung der verschiedenen Darstellungsformen (Publizistik 1. Semester). Anarchistisch: Wenn ich hier nicht tanzen darf, möchte ich an dieser Redaktion nicht beteiligt sein (E. Goldman). Wer all das beherzigt und sich dann auch noch davor hütet mit – teilweise auch noch abgewandelten – Zitaten um sich zu schmeißen, der oder die hat es wirklich geschafft.

(Wie) Ist Ihnen persönlich das Internet dabei eine Hilfe?
Wer sich noch an das Arbeiten mit einer veralteten Auflage des Oeckl erinnert kann gar nicht anders, als das Internet schon aus rein praktischen Gründen als großartige Hilfe zu empfinden. Außerdem liefert es Anregungen sowohl inhaltlicher als auch formaler Art in einem Ausmaß, das früher undenkbar war. Auch die sozialen Netzwerke sind hilfreich: Keine PK und kein Parteitag, von denen Kolleginnen und Kollegen nicht auch solche Beobachtungen twittern oder bloggen, die später nicht in Artikeln oder TV-Beiträgen auftauchen.

Was ist der beste Weg in den Beruf?
Am wichtigsten finde ich nach wie vor eine grundsätzliche Begeisterungsfähigkeit. Ohne diese Begeisterung für Themen wird man als Journalistin oder Journalist nicht besonders gut sein (was nicht heißt, dass man nicht total erfolgreich sein kann, aber das ist eine andere Geschichte). Hat man diese Begeisterungsfähigkeit, übersteht man auch die Schwierigkeiten die mittlerweile auf jedem Einstiegsweg in unseren Beruf warten und die sicherlich größer und entmutigender sein können als noch vor zehn Jahren. Was die Einstiegswege als solches betrifft: Wer ein Volontariat oder einen Platz auf einer Journalistenschule ergattert, hat immer noch gute Chancen.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgen Sie?
Ratschlag: Siehe „Begeisterungsfähigkeit“ in der Antwort zuvor.
Regel: Mach Dir klar was die Aussage des Textes oder Beitrags sein soll, bevor Du anfängst zu schreiben.
Routine: Ich schaue mir Beiträge mit etwas zeitlichem Abstand noch mal an und finde jedes mal Dinge, die man hätte besser machen können.

Wie geht’s weiter?
Die Arbeitsbedingungen werden schlechter, guten Journalismus wird es aber weiterhin geben. Dank Bloggern etc. gibt es sogar mehr davon, auch wenn er manchmal schwerer zu finden ist.


Werner Doyé, Redakteur und Satiriker bei Frontal21 (ZDF)